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Next to the Game – Hinter dem Livestream
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Wenn ein Heimspiel der Steelers live im Stream läuft, sehen die Fans vor allem eins: packendes Eishockey. Was sie nicht sehen, ist ein Team aus derzeit 26 Menschen, das Stunden vorher beginnt, eine komplexe technische Maschinerie zum Leben zu erwecken. Und mittendrin: der Mann, der alles koordiniert – von der LED-Bande bis zur Regie. In unserem Fall heißt er Axel.
Vorbereitungen, bevor die Arena erwacht
Der Spieltag beginnt für ihn oft schon drei Stunden vor den ersten Fans. Während es in der Kabine noch ruhig ist, arbeitet er längst an den LED-Banden und passt spieltagbezogene Inhalte an. Eine halbe Stunde später trifft das Produktionsteam ein: Kameraaufbau, PC-Equipment anschließen, Würfel- und Lichtregie vorbereiten, Kommentatoren Platz einrichten. Alles hat seinen Platz, alles hat seinen Ablauf.
Damit das funktioniert, werden bereits Wochen vorher Schichtpläne erstellt in denen Verantwortlichkeiten verteilt sind und über die verfügbare Crew Klarheit herrscht. „Wir versuchen immer eine faire Verteilung hinzubekommen“, sagt Axel – ein Prinzip, das im Team spürbar geschätzt wird.
Ein Livestream, der mehr ist als nur ein Kamerabild
Vier bemannte Kameras, vier statische Kameras, ein Funkmikrofon fürs Eis, acht Replays, Regieplatz, Würfelsteuerung, LED-Bande, Interviewkamera, Lichtshow – die Liste wirkt wie aus einer TV-Produktion, und genau das ist sie auch.
Die Software „vMix“ sorgt dafür, dass Ton, Grafik, Kameras und Replays zusammenspielen. Die Stadionuhr wird eingebunden, die Grafiken werden automatisch aus der Liga-Schnittstelle gezogen – moderne Technik, die aber nur so gut funktioniert, wie das Team, das dahintersteht.
Und dieses Team wächst: 26 Leute, verteilt auf Rollen wie Kamera, Regie, Replay, Würfel, Lichtsteuerung, Moderation und On-Ice-Interviews.
Zwischen Stress und Adrenalin: Live ist Live
Kaum etwas im Sport ist so nachtragend wie ein Livestream: Fehler passieren in Echtzeit. Und ja, sie passieren. Manchmal ist es nur ein falscher Name. Manchmal eine falsch geschaltete Kamera. Oder – der Albtraum – der Streaming-PC spinnt. Dann beginnt der Puls zu tanzen.
„Wenn’s dumm läuft, musst du den PC neu starten. Da willst du nicht sein. Aber manchmal geht’s nicht anders – dann brauchst du Coolness.“
Mit Routine und Teamarbeit wird selbst das Chaos beherrscht: Foul in der Defensive, aber alle Kameras folgen dem Angriff? Replay checken, Sekunden entscheiden. Grafiken einblenden, Ton nachregeln, gleichzeitig auf die Kommentatoren hören. Wer einmal Regie gefahren ist, weiß: Das ist ein eigener Sport.
Und manchmal steigt der Stresspegel auch ganz einfach, weil eine Kamera keinen Kontakt hat – irgendwo zwischen Kabeln, Funkstrecken, PC, Halle und Software. Deswegen beginnt das Team lieber früh und testet alles mehrfach.
Teamarbeit? Ohne geht gar nichts.
Er sagt es selbst: „Ohne mein Team läuft gar nichts.“
Und man merkt, wie stolz Axel ist. Kommunikation, Vertrauen und gegenseitiges Einspringen sind die Basis, damit die Produktion funktioniert. Manchmal improvisiert jemand spontan, manchmal findet einer die vergessene Lösung in Sekunden – live, ohne Netz.
Perfektionistisch ist er manchmal, das gibt er zu. Aber das Team weiß: Es geht nie um Kritik, sondern darum, dass der Stream so gut wie möglich wird. Und wenn mal einer ausfällt? Kein Problem. Das Team läuft.
Ein Weg, der zufällig begann – und zur Leidenschaft wurde
Die Reise startete damals unauffällig: Traineraufzeichnungen, weil Personal fehlte. Dann einmal rein in den Livestream-Bereich, neugierig geworden, Zeit investiert, dazugelernt – und plötzlich war er mittendrin.
Früher mit SpradeTV und heute Sporteurope.TV im Austausch, mit Workshops für Kommentatoren, mit Vernetzung zwischen den Clubs.
Einfach reingerutscht? Vielleicht.
Aber geblieben, weil es Spaß macht. Weil es herausfordert. Und weil es richtig gute Momente gibt.
Seine persönlichen Highlights?
- Das Deutschland–Schweiz-Spiel 2019, live produziert und gestreamt – „eine Ehre“.
- Der legendäre 1,5-Sekunden-Siegtreffer von Tim Schüle 2021.
- Und natürlich der Aufstieg in Kassel.
Was Fans oft nicht wissen
„Viele unterschätzen die Zeit, die da drinsteckt“, sagt er. Aufbau, Abbau, Grafiken, Technikchecks, Vorbereitung der Kommentatoren – das passiert nicht mal eben nebenbei. Und der technische Aufwand ist mittlerweile enorm. Dazu kommt Redundanz: Internet plus LTE, falls eine Leitung ausfällt. Fallback-Pläne, wenn der Streaming-PC nicht so gut funktionieren will wie das Team. Alles, damit die Übertragung weiterläuft – no matter what.
Blick in die Zukunft
Der Livestream hat sich massiv entwickelt:
Von einer einzelnen Kamera → zu zwei Kameras mit Replays → zu acht Kameras in der DEL2.
Heute liefert Sporteurope.TV zusätzliche Technik, die Kommunikation und Bildqualität noch besser macht.
Was er sich wünscht?
- Ein festes Regiestudio in der Arena.
- Ein richtiges Vorberichterstattungs-Studio.
- Neue Kameraperspektiven.
- Und vielleicht irgendwann: einen verkabelten Spieler live im Stream.
Und die Zukunft des Livestreams selbst? Glasklar:
Er wird wichtiger – als Einnahmequelle, als Service für Fans, als Standard, der die Liga voranbringt.
„Langfristig zahlt sich das aus. Jeder Club profitiert davon.“
Next to the Game zeigt einmal mehr:
Hinter einem Livestream steckt keine Technik –
sondern Menschen, Leidenschaft und ein Team, das alles möglich macht.