Nächstes Spiel:
24.11.2017
19:30 Uhr
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6:1

Unser Gegner im Finale – die Löwen Frankfurt

Möchte die Übersicht auch im Finale behalten - Matt McKnight

Zum fünften Mal in Folge stehen die Steelers nun im Finale der zweiten Bundesliga bzw. der DEL 2.  Nach dem Sieg in der Endspielserie gegen Schwenningen 2013, einer Niederlage gegen Bremerhaven 2014, dem Sieg im Folgejahr erneut gegen Bremerhaven und der Niederlage gegen Kassel im letzten Jahr, müsste es nach diesem Rhythmus gegen Frankfurt…. Doch das lassen wir, denn es trifft der Sieger der Hauptrunde auf den Zweiten – das Beste was die DEL 2 zu bieten hat, steht sich ab kommenden Samstag in höchstens sieben Spielen gegenüber – kurz gesagt: Ein Traumfinale! Wir möchten euch die Löwen ein wenig vorstellen.

Die Hessen schalteten im Viertelfinale die Wölfe aus Freiburg mit einem Sweep (vier Siege ohne Niederlage) relativ deutlich aus. Auch im Halbfinale benötigte es nur vier Spiele um den hessischen Rivalen und noch amtierenden Meister aus Kassel in die Sommerpause zu schicken. Eine Genugtuung für das Team und die Fans, die im letzten Jahr selber via Sweep um den Finaleinzug gebracht wurden – Gegner damals waren die Huskies. Die Löwen sind somit in den bisherigen Playoffs noch ungeschlagen und erzielten in den acht Begegnungen 40 Tore und kassierten lediglich 18. Die Schwaben kommen in den 10 Spielen auf 47 Treffer bei 20 Gegentoren.

Die Spiele in der deutschen Finanzmetropole werden am Bornheimer Hang ausgetragen. Die Eissporthalle dort hat ein Fassungsvermögen 6.990 Zuschauern, davon können 3.246 Fans das Spiel von einem Sitzplatz aus verfolgen. Die Halle wurde im Dezember 1981 eröffnet und hat von der Meisterschaft in der DEL 2004 bis zu Spielen in der Regionalliga schon einiges erlebt. Die Temperaturen in der Arena, gerade auch im Frühling, sind nicht gerade niedrig, so dass man das bei der Kleiderauswahl durchaus zu beachten hat. Wer Spiele der beiden Mannschaft besucht hat der weiß, welche einmalige Gänsehautatmosphäre herrscht wenn die beiden Fanlager sich auf den Rängen treffen. Egal ob im Ellental oder am Ratsweg, die Stimmung wird bombastisch sein.

Die Löwen sind die Nachfolgeorganisation der Frankfurt Lions, die im Jahr 2010 Insolvenz in der DEL melden mussten. Man gründete sich aus den Young Lions, dem damaligen Nachwuchsverein und startete in der Regionalliga West. Im Jahr 2014 stieg man gemeinsam mit den Kassel Huskies in die neu gegründete DEL 2 auf und ist seit dem nicht nur fester Bestandteil der Liga, sondern bestimmt den Takt an der Tabellenspitze mit. Seit dem Aufstieg konnte man sich durchgehend direkt für die Playoffs qualifizieren.

Trainiert werden die Hessen von Rich Chernomaz und Paul Gardner. Rich Chernomaz fungiert in einer Doppelfunktion auch als Sportdirektor. Der 54-jährige wurde als Trainer Meister in der DEL mit Köln (2002) und jenen Löwen (2004), für die er nun mit verantwortlich ist. Als Spieler brachte er es auf 51 Spiele in der NHL für New Jersey und Calgary. Ansonsten war er sehr erfolgreich in der AHL unterwegs. In der DEL spielte er 198-mal für Schwenningen. Neben seiner Tätigkeit in Frankfurt ist er Trainer der ungarischen Nationalmannschaft, mit der er an der A-WM 2016 in Russland teilnahm, dort den Abstieg jedoch nicht verhindern konnte. Nach 2009 war dies die zweite Teilnahme bei einer A-WM überhaupt und dennoch ein toller Erfolg. Paul Gardner ist 61 Jahre alt und trägt die kuriosesten Krawatten der DEL 2, womöglich weltweit. Welche es zum Finale wird, werden wir am Samstag sehen. Er ist ein Coach, der auf eine immense Erfahrung zurückblicken kann. Als aktiver Spieler erzielte er für Colorado, Toronto, Pittsburgh, Washington und Buffalo über 200 Tore in der NHL. Der langjährige Trainer in der AHL, der KHL in Russland, DEL und Co-Trainer in der NHL (5 Jahre in Nashville), ist mit allen Wassern gewaschen und kennt wohl jede heikle Situation in einem Eishockeyspiel und auch in einem Finale.

Die beiden stellten ein Team zusammen, dass am Ende der Hauptrunde mit 104 Punkten hinter den Steelers auf dem zweiten Platz landete. Mit 211 geschossenen Toren waren die Hessen die Scharfschützen der Liga.

32 davon gelangen dem Top-Torschützen der Hauptrunde Matthew Pistilli. Der 28-jährige Kanadier steuerte weitere 33 Assists bei und wurde mit 65 Punkten Zweiter hinter Matt McKnight bei den Topscorern. „Pistol“ Pistilli ist auch in den Playoffs gut unterwegs und steuerte bislang vier Tore und zehn Vorlagen zu. Das 100kg-Paket verteilt auf knapp 1.90m zählt mit zu den besten und komplettesten Spielern der Liga. Ein alter Bekannter ist C.J. Stretch, der vor der Saison aus Rosenheim kam. 60 Punkte (26 Tore/34 Vorlagen) gelangen ihm in der Saison. In der Endrunde kommt er auf drei Treffer und acht Vorlagen. Stretch ist ein Spieler, der in den Playoffs den Unterschied machen kann, denn er ist einer dieser Protagonisten, den man liebt wenn er im eigenen Team spielt und „nicht so gut findet“ wenn er das gegnerische Trikot an hat. In einem sollten sich Fans und „Hater“ aber einig sein – er ist ein sehr guter Spieler. Das ist auch Nils Liesegang, der seit dieser Saison punktbester Frankfurter aller Zeiten ist. Seit nunmehr fünf Jahren geht der 29-jährige auf Torejagd am Main und wird von Jahr zu Jahr stärker. Kapitän Patrick Jarrett kam zu Saisonbeginn aus der Oberliga, der EV Landshut war dort sein Arbeitgeber. Der 33-jährige wurde direkt zum Captain befördert, was für seine Führungsqualitäten auf dem Eis spricht. Dass er auch weiß wo das Tor steht beweisen seine 50 Punkte (15 Tore/35 Vorlagen) in der Hauptrunde. In den Playoffs kommt er bislang auf sieben Punkte(zwei Tore). Richard „Richie“ Müller schießt schneller als sein Schatten, denn der kleine Flügelflitzer ist mit der schnellste Spieler mit Kufen unter den Füßen. 28 Treffer erzielte er in „nur“ 45 Saisonspielen, in den Playoffs legte er vier Treffer nach. Er wurde noch vor den Fußballern der Eintracht zum Sportler des Jahres der Stadt Frankfurt 2016 gewählt. Die Brüder Brett und Clarke Breitkreuz laufen in den Playoffs heiß – 13 Treffer und insgesamt 20 Punkte steuern beide bislang bei. Brett ist mit acht Toren der Toptorjäger, dahinter folgt Clarke mit fünf Buden. Sammelte Brett noch 98 Strafminuten in der Hauptrunde, so hat er mit erst 10 in der Endrunde auch hier Anteil am Erfolg seiner Mannschaft. Der 22-jährige Lukas Laub ist auch sehr schnell und treffsicher unterwegs. Gegen Freiburg und Kassel gelangen ihm neun Punkte (vier Tore), in der Saison waren es in 40 Spielen 31 Zähler. Christoph Gawlik bringt die Erfahrung aus über 500 DEL-Spielen mit und gewann zweimal aktiv die Meisterschaft der DEL mit Berlin und Ingolstadt. Bereits von 2008 bis 2010 spielte er bei den Hessen und war da schon Leistungsträger. Eddy Rinke-Leitans, Roman Pfennings und Ricco Ratajczyk komplettieren die Offensive. Mit Dennis Reimer fehlt da ein wichtiger und talentierter Spieler, der lange verletzt war. Seine Förderlizenz aus Straubing wurde ihm zum Verhängnis, da er für Frankfurt nur 19 statt der erforderlichen 20 Spiele machte, ist er jetzt nicht spielberechtigt. Mit Nico Oprée hat man noch einen Stürmer in der Hinterhand.

Die Namen in der Defensive lesen sich wie das „Who is Who“ der DEL 2. Matt Tomassoni war mit 32 Punkten der punktbeste Löwen-Verteidiger und auch in den Playoffs trumpft der US-Amerikaner mit sieben Punkten auf. Der Landsmann von Adam Borzecki, Pawel Dronia spielte bereits ein Finale gegen die Steelers und weiß wie man dies verliert :-). Der Deutsch-Pole gehört zu den besten Defendern der Liga, der auch offensiv Akzente setzen kann. Joel Keussen kam aus Bad Nauheim und bestätigte ein paar Kilometer weiter seine Tauglichkeit bei einem Topteam. Der 25-jährige erzielte 30 Punkte in der Saison und schon sechs in der Endrunde. Der 31-jährige Mike Card ist hinten eine Bank. Auch im gegnerischen Drittel sorgt er für Gefahr. Er spielt sein zweites Jahr am Main und ist einer der Leader. Wie Kollege Keussen spielte Eric Stephan schon einmal in Kassel und wurde im letzten Jahr Meister mit den Huskies. Das gleicht das verlorene Endspiel von Dronia wieder aus. Der 23-jährige ist ein herausragendes Talent und hat eine Förderlizenz für Straubing. Mit einer Plus/Minus-Statistik von +32 weist er die mit Abstand beste aller Verteidiger der Löwen auf. Hinter Matt Pistilli (+34) bedeutet das Platz zwei intern und der gesamten DEL 2! David Cespiva ist ein sehr solider Verteidiger, der jedem Team gut zu Gesicht steht und mit 1.90m und ca. 92kg Gardemaß besitzt. Der U20-Nationalspieler Max Gläßl komplettiert die Verteidigung, die in der Hauptrunde 159 Gegentore schlucken musste, 38 mehr als die Schwaben.

Im Tor steht mit Brett Jaeger ein Goalie, der schon viel Erfahrung mit Duellen gegen die Steelers in den Playoffs gesammelt hat. Der 34-jährige gewann 2014 die Endspielserie im Tor der Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Ein Jahr später unterlag er als Backup im Finale gegen die Ellentaler, um im Jahr drauf als Torwart der Dresdner Eislöwen im Halbfinale erneut gegen Bietigheim auszuscheiden. Meister, Vize, Halbfinale – das kann sich sehen lassen. Auch sehen lassen kann sich seine Statistik. Ein Gegentorschnitt von 2,89 und eine Fangquote von 89,46% folgten 2,15 und starke 92,17% in den Playoffs. Er ist ein sehr sicherer Rückhalt und es wird schwer sein ihn zu überwinden. Als Backup dient der 20-jährige Florian Proske der gegen Freiburg zu einem Kurzeinsatz im Viertelfinale kam.

Bei den Specialteams war das Überzahl der Löwen in der Hauptrunde mit einer Erfolgsquote von 18,8% eher durchschnittlich. In der Endrunde erhöhte man auf 20,5%, was durchaus ausbaufähig ist. Zum Vergleich: Die Bietigheimer Quote in der Runde 24,4% und in den Playoffs 37,5%! In Unterzahl kam man lediglich auf 79,3% Erfolgsquote – Platz 10. In den Playoffs hielt man diese Zahl und kommt auf 80%. Mit bisher 11 Toren in Unterzahl gelangen den Löwen die meisten der Liga. Die Steelers kommen auf  89,2% in der Saison und 91,7% in der Endrunde. Das kann am Ende womöglich den Unterschied machen ob ich den Pott selber erhalte oder zuschauen muss, wie der Gegner ihn bekommt. Aber Statistiken hin oder her, entscheidend ist was ab Samstag passiert.

In den Duellen der beiden Finalisten in der Hauptrunde gehen die Löwen als Sieger hervor. Drei Duelle konnte man gewinnen. In Bietigheim mit 3:2 nach Verlängerung und 6:1. In Frankfurt war das Team von Kevin Gaudet einmal mit 1:4 unterlegen ehe man einmal mit 5:4 gewann. Ähnlich war es im Halbfinale gegen Kaufbeuren... Seit dem Aufstieg in die DEL 2 gab es 12 Spiele, bei denen am Ende die Schwaben achtmal als Sieger vom Eis gingen. Die Hessen jubelten viermal.

Doch genug der Worte, jetzt sollen Taten sprechen. Ab Samstag geht es endlich los. Wir wünschen allen Fans eine faire und spannende Serie, volle Arenen, Party pur auf den Rängen mit einem am Ende verdienten Sieger, der hoffentlich aus Bietigheim kommt.

EIN ZIEL

von Patrick Jonza

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